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Rottaler Milchviehtag 2011
Fast ein Viertel aller Milcherzeuger im Landkreis trafen sich zum traditionellen Rottaler Milchviehtag am 13. Dezember im Gasthaus Wirtsbauer in Langeneck. Dazu konnte der stv. Vorsitzende des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung Eggenfelden, Hermann Heindl, Oberndorf, Markt Gangkofen eine Vielzahl von Referenten begrüßen.
Den Vormittag bestritten die Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfarrkirchen.
Frau Angela Dunst informierte über die Vor- und Nachteile der einzelnen Ernteverfahren für Grassilage und ihre Kosten. Die Erzeugung von Grassilage mit höchster Energiedichte und bester Qualität muss zeitgerecht, schlagkräftig und in den einzelnen Arbeitsschritten gut aufeinander abgestimmt durchgeführt werden. Weil fast 50 % der Vollkosten der Milchproduktion auf die Futterkosten (Grund- u. Kraftfutter) entfallen muss auch die Ernte kostengünstig erfolgen.
Die Häckselkette bringt bei allen Futterarten eine sehr hohe Bergeleistung, eine exaktere gleichbleibende Schnittqualität und ermöglicht damit eine bessere Verdichtung und geringeres Risiko der Nacherwärmung. Die Ladewagenkette ermöglicht eine einfache Koordination durch die Steuerung der Bergeleistung und die Anpassung an die Silokapazität. Ihr Einsatzschwerpunkt liegt bei verstreuten Flächen (kein Umsetzen von Ketten), dem gezieltes Bergen von Teilstücken passend zum Anwelkgrad (Nord- und Südhang, Schwadstärke) und bei geringeren Erntemengen (3. – 5. Schnitt).
Die Auswahl des Systems sollte abhängig von Betriebsgröße, den Futterbauverfahren, der Verkehrslage und den verfügbaren AK, aber auch von der subjektiv empfundenen Abhängigkeit von einem anderen Partner sein. Wegen der Ernteleistung auf den spezialisierten Betrieben geht der Trend hin zu Feldhäcksler, die Ernteleistungen bis über 7 ha/h oder 20 t/TM/h ermöglichen. Mit neuen Ladewagentechnik und großen Ladevolumen sind extrem hohe Ernteleistungen zu erzielen. Aus organisatorischen Gründen werden die KS-Ladewagen mit 25 – 30 m3 jedoch weiterhin interessant bleiben. Tendenz Ladewagen billiger, aber die Futterqualität muss gewährleistet sein. Beim Häcksler tendenziell besser!
Die Kosten bewegen sich zwischen 140-260 €/ha und Schnitt bei unterschiedlicher Mechanisierung. Wegen der großen Streubreite bei den Kosten man muss für seinen Standort und seinen Betrieb (AK, Tierbestand…) das optimale Grundfutterverfahren (Ernte, Intensität ….) finden. Es gibt keine Patentrezepte, nur Tendenzen: Auslagern o. eigenmechanisiert? Besonders intensiv o. extensiv? Häcksler o. Ladewagen o. Ballensilage ? Deshalb muss jeder Betrieb seine Grundfutterkosten kennen!
Florian Scharf vom Fachzentrum für Rinderhaltung stellte die Erzeugung eigenen Eiweißfutters in den Mittelpunkt seines Vortrags. Nachdem er kurz die möglichen Erträge und den Einsatz der verschiedenen Eiweißpflanzen besprochen hat, ging Herr Scharf auf die Grassilage näher ein. Diese ist für den Referenten das entscheidende Eiweißfutter! Anhand der aktuellen Grundfutterergebnisse aus dem Rottal zeigte er auf, dass Rationen mit den besseren Grassilagen mit gut einem halben kg Sojaschrot je Kuh und Tag weniger auskommen als Rationen mit durchschnittlichen Grassilagen. Bei Betrachtung der Untersuchungsergebnisse der letzten 12 Jahre wurde deutlich, dass der Trend im Eiweißgehalt der Grassilagen nach unten zeigt. Als Ursache hierfür dürfte eine Verschlechterung der Grünlandbestände zu nennen sein. Anschließend ging es um Nacherwärmung und Buttersäuregärung, zwei Ursachen für Verluste im Silo.
In Erhebungen in 3 Arbeitskreisen zwischen 2008 – 2011 kam heraus, dass in ca. 50 % der untersuchten Silagen Nacherwärmung auftrat. Dies führt u.U. zu enormen Futterverlusten. Um dies verhindern zu können ist eine ausreichend hohe Verdichtung, eine Mindestgärdauer von 8 Wochen und ein Mindestvorschub von 2 – 2,5 m / Woche entscheidend. Um diesen Mindestvorschub zu gewährleisten sollte die Siloanschnittfläche am Betrieb max. 0,14 m²/GV betragen. Bei diesen Untersuchungen stellte sich heraus, dass in ca. 1/3 der Silagen Buttersäue auftrat. Er zeigte auf, dass dies nicht nur zu geringeren Futteraufnahmen führen kann, sondern dass auch das Eiweiß im Grassilo stark beeinträchtigt werden kann. Aus diesem Grund sollte einer guten, buttersäurefreien Silierung wieder stärkere Beachtung geschenkt werden. Futterverluste zu reduzieren und die Grünlandbestände zu verbessern sind seiner Ansicht nach die Ansatzpunkte, um im Milchviehbetrieb Eiweißfuttermittel zu sparen!
Aus seinen Untersuchungen in seiner Projektarbeit leitete Christian Ofenbeck vom AELF Pfarrkirchen die Erk enntnis ab, dass fünf Schnitte des Grünlandaufwuchses unter den derzeitigen Bedingungen am wirtschaftlichsten sind. Steigende Preise für Eiweißfuttermittel und sinkende Mineraldüngerkosten sprechen ebenfalls für diese Art der Nutzung. Hohe Leistungen über 8000 kg je Laktation erfordern hochwertiges Futter. Aus gutem Grundfutter werden höhere Leistungen erzielt, es macht den Landwirt unabhängiger von Marktschwankungen und verbessert die Wirtschaftlichkeit des Gesamtbetriebes. Die geringere Krankheitsanfälligkeit verringert die Tierarztkosten. Auch er plädierte für eine optimale Bestandspflege bzw. falls notwendig –erneuerung als Voraussetzung für eiweißreiches Grundfutter.
Das Aktionsprogramm „Heimische Eiweißfuttermittel“ stellte Michael Beimler vom bayerischen Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung vor. Dessen Ziele sei es, die Sojaimporte nach Bayern wesentlich zu reduzieren, der Einsatz in der Rinderhaltung mittelfristig zu halbieren. In der ökologischen Tierhaltung soll der Eiweißbedarf künftig ausschließlich aus heimischer Erzeugung gedeckt werden. Kurzfristig solle die Sojabohnenanbaufläche auf 5000 ha ausgedehnt werden.
Die Erzeugerringe bieten dazu produktionstechnische Beratungen im Pflanzenbau in schriftlicher Art in Zusammenarbeit mit der staatlichen Beratung, Telefonberatung, eine intensive Pflanzenbau- beratung vor Ort in Zusammenarbeit mit der staatlichen Beratung („Verbundberatung“) an.
Gemeinsames Ziel der Verbundberatung sei es, den bayerischen Landwirten auch in Zukunft ein verlässliches, neutrales, kompetentes, flächendeckendes und kostengünstiges Beratungsangebot zur Verfügung zu stellen. Um dies zu erreichen, erfolgt eine enge Zusammenarbeit der Staatlichen Pflanzenbauberatung mit dem anerkannten Verbundpartner. Die Staatliche Beratung konzentriert sich zunehmend stärker auf die Beratung zur Unternehmensentwicklung, Förderprogrammen, Umsetzung gesetzlicher Vorschriften, gemeinwohlorientierten Bereichen. Die Verbundpartner haben den Schwerpunkt in der produktionstechnischen und verfahrensökonomischen Beratung des Einzelbetriebes.
Franz Neuhuber, Leiter des Fachzentrums für Rinderhaltung stellte dessen Arbeitsschwerpunkte in nächster Zeit vor. In Seminaren und Arbeitskreisen zur Jungviehaufzucht und zu automatisierten Melksystemen sollen die Erfahrungen aus den Betrieben gesammelt und für die erfolgreiche Arbeit in den Betrieben ausgetauscht werden. In Vorträgen bei den Milchviehtagen werden aktuelle Themen wie die Erzeugung guten Grundfutters , die Kälberaufzucht usw. behandelt werden. In Stallbauseminaren werden bauwillige Landwirte auf wesentliche Aspekte beim Bau von Milchviehlaufställen hingewiesen.
Dr. Andreas Randt vom Tiergesundheitsdienst sprach in seinem Vortrag zum Thema „die Kuh im Spannungsfeld zwischen hoher Leistung und Fruchtbarkeit“ ein Kernproblem der rentablen Milcherzeugung an. Wegen der Konzentration auf eine hohe Leistung der Kuh in der einzelnen Laktationsphase wurde die Lebensleistung mehr und mehr vernachlässigt. Die durchschnittliche Kuh lebt in Bayern nur noch 5,5 Jahre und bringt dabei nur noch 2,3 Kälber. Sie produziert insgesamt in ihrem Leben 18.000 kg Milch. Die häufigsten Stoffwechselerkrankungen beim Milchrind sind Milchfieber (Gebärparese), Störungen des Energiestoffwechsels wie Ketose (Acetonämie) und Störungen des Säure-Basen-Haushaltes (Acidose). In der Nachgeburtsphase stellt die Umstellung des Stoffwechsels auf Laktation und erneuter Fruchtbarkeit eine Grenzbelastung für den gesamten Organismus dar. Es entstehen ein 3,5facher Bedarf an Energie und Protein und ein höherer Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Milchproduktion hat eine höhere Priorität als Fortpflanzung. Kritisch ist der schnelle Anstieg der Milchleistung, der langsame Anstieg der TM-Aufnahme. Die negative Energiebilanz führt zu einem Abbau von Körperfett. Ein Anstieg der Ketonkörperkonzentration im Blut erhöht die Infektionsanfälligkeit, vermindert die Fruchtbarkeit und die Leistung und vermehrt Klauenerkrankungen. Als allgemeine Anforderungen an den Laufstall stellte Dr. Randt eine niedrige Temperatur heraus Stress gebe es bei Temperaturen über 25°C. Luftbewegung sei notwendig, Zugluft solle jedoch vermieden werden. Als Belichtung sind mindestens 80 Lux besser 150 Lux erforderlich. Schadgase, speziell Ammoniak sollten in Konzentrationen von weniger als 10 ppm vorhanden sein, jedoch nie über 20 ppm. Die Versorgung mit ausreichend Wasser in guter Qualität sollte abgestimmt auf Einzeltiere erfolgen. Zusammenfassend wies er die interessiert folgenden Landwirte darauf hin, eine Überversorgung an Energie und Eiweiß, besonders bei altmelkenden und trockenstehenden Kühen zu vermeiden, bestes Grundfutter leistungsgerecht zur Verfügung zu stellen und Wirkstoffe und Vitamine nicht zu vergessen.
Landwirtschaftsmeister Valentin Mühlbauer, Geisenhausen, bestätigte die Ausführungen von Dr. Randt aus der Praxis seines Betriebes. Er reduzierte die Milchleistung je Laktation und steigerte die Lebensleistung seiner Kühe im Laufe der vergangenen Jahre. Im Herdenmanagement legt er die Schwerpunkte auf die Fruchtbarkeit. Die Besamung erfolgt durch den Tierarzt. Regelmäßige Trächtigkeitsuntersuchungen werden nach 7 Wochen durchgeführt. Als Problem nannte er ein erhöhtes Nachgeburtsverhalten. Das Trockenstellen erfolgt schlagartig, grundsätzlich wird kein Präparat zur Euterbehandlung eingesetzt. Er legt Wert auf ein gründliches Ausmelken um Eutererkrankungen während der Laktation zu vermeiden.
Zum Abschluss überreichte der Vorsitzende des VLF Pfarrkirchen, Karl Erhart, Schalldorf, kleine Gastgeschenke an die Referenten des Tages, verbunden mit den besten Wünschen an die Landwirte im Stall und in den Familien.
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